Nehmen Sie Schmerzmittel, Erkältungspräparate oder Schlafmittel? Ab 60 können einige davon den Blutdruck erhöhen und das Herz unbemerkt belasten
Mit zunehmendem Alter wird der Umgang mit Alltagsmedikamenten oft komplizierter, als viele erwarten. Viele Menschen über 60 nehmen mehrere verschreibungspflichtige Arzneimittel, rezeptfreie Mittel oder natürliche Nahrungsergänzungen ein – ohne zu ahnen, wie stark diese Kombinationen das Herz-Kreislauf-System beeinflussen können.
Manchmal treten unspezifische Warnzeichen auf: ungewöhnliche Müdigkeit, Druck oder Unbehagen in der Brust, oder ein unregelmäßiger Herzschlag. Das kann verwirrend und beunruhigend sein. Die gute Nachricht: Mit informierten Anpassungen und mehr Aufmerksamkeit für das, was wir einnehmen, lassen sich viele Risiken deutlich senken. Und es gibt einen entscheidenden Faktor, der häufig übersehen wird – am Ende dieses Artikels erfahren Sie, welcher das ist.

Warum sich die Medikamentensicherheit nach dem 60. Lebensjahr verändert
Im Laufe der Jahre verarbeitet der Körper Wirkstoffe anders. Leber und Nieren arbeiten häufig langsamer, wodurch Medikamente länger im Körper bleiben können. Gleichzeitig verändert sich die Körperzusammensetzung – das kann Aufnahme, Verteilung und Speicherung bestimmter Substanzen beeinflussen.
Auch das Herz selbst reagiert im Alter oft empfindlicher auf einzelne Inhaltsstoffe.
Wichtig zu wissen: Arzneimittel, die früher gut vertragen wurden, können später plötzlich den Blutdruck, den Herzrhythmus oder den Flüssigkeitshaushalt beeinflussen.
Geriatrische Studien zeigen, dass Erwachsene über 60 im Vergleich zu Jüngeren häufiger Nebenwirkungen bei gängigen Medikamenten erleben. Das bedeutet nicht, dass diese Mittel grundsätzlich gefährlich sind – sondern dass der Körper mit der Zeit anders reagiert.
Medikamentengruppen, die Sie überprüfen lassen sollten
Zuerst das Wichtigste: Setzen Sie verordnete Medikamente niemals eigenständig ab. Ziel dieses Artikels ist Aufklärung – nicht Verunsicherung.
Trotzdem raten Kardiologie-Expertinnen und -Experten älteren Menschen häufig dazu, bestimmte Mittel gezielt zu überprüfen (insbesondere bei Bluthochdruck, Herzschwäche oder Rhythmusstörungen).
1. Entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR)
Nichtsteroidale Antirheumatika wie Ibuprofen oder Naproxen werden oft bei Gelenkschmerzen oder Arthrose eingesetzt.
Bei häufigem oder längerem Gebrauch können sie jedoch:
- den Blutdruck erhöhen
- Wassereinlagerungen begünstigen
- das Herz stärker belasten (bei manchen Personen deutlich)
Wer bereits unter Bluthochdruck oder Herzerkrankungen leidet, sollte die Anwendung unbedingt ärztlich abklären. In Kombination mit anderen Medikamenten können sich Risiken zusätzlich verstärken.
2. Abschwellende Erkältungs- und Grippemittel
Viele Erkältungspräparate enthalten Wirkstoffe wie Pseudoephedrin (oder ähnliche abschwellende Substanzen).
Diese können:
- Blutgefäße verengen
- die Herzfrequenz steigern
- den Blutdruck anheben
Bei jüngeren Erwachsenen äußert sich das manchmal nur als Unruhe. Bei Älteren – vor allem mit Herz-Vorgeschichte – können die Effekte intensiver ausfallen. Deshalb: Beipackzettel und Inhaltsstoffe sorgfältig lesen.
3. Schlafmittel und Beruhigungsmittel
Schlafprobleme nehmen nach dem 60. Lebensjahr zu, wodurch viele zu Sedativa oder Schlafprodukten greifen.
Je nach Wirkstoff können diese:
- die Atmung verlangsamen
- den Herzrhythmus beeinflussen
- das Sturzrisiko erhöhen (z. B. durch Schwindel)
Ein oft unterschätzter Punkt: Manche Schlafmittel können Warnsignale von körperlicher Belastung überdecken – darunter auch Symptome, die auf Herzstress hinweisen – und so den Arztbesuch verzögern.
4. Energie- oder Abnehmpräparate (Nahrungsergänzungsmittel)
„Natürlich“ bedeutet nicht automatisch „harmlos“.
Einige Supplemente enthalten stimulierende Bestandteile, die Puls und Blutdruck erhöhen können. Andere können mit Blutverdünnern oder Herzmedikamenten wechselwirken.
Solche Interaktionen sind häufiger, als viele denken – besonders, wenn mehrere Produkte parallel genutzt werden.
5. Natriumreiche Antazida (Mittel gegen Sodbrennen)
Das überrascht viele: Manche Antazida enthalten viel Natrium.
Zu viel Natrium kann:
- Wasser im Körper binden
- den Blutdruck erhöhen
Beides kann das Herz zusätzlich belasten. Wer Antazida regelmäßig verwendet, sollte die Zusammensetzung prüfen oder Alternativen mit medizinischem Fachpersonal besprechen.
Warum viele Medikamente gleichzeitig ein zusätzliches Risiko darstellen (Polypharmazie)
In der Medizin spricht man von Polypharmazie, wenn mehrere Medikamente gleichzeitig eingenommen werden.
Nach dem 60. Lebensjahr ist es nicht ungewöhnlich, täglich fünf oder mehr Präparate zu nutzen. Das Problem ist nicht nur die Anzahl – entscheidend sind die Wechselwirkungen.
Beispiele für kombinierte Effekte:
- Ein Präparat steigert den Blutdruck
- ein anderes beeinflusst den Herzrhythmus
- ein drittes belastet die Nierenfunktion
Zusammen kann sich die Wirkung addieren. Oft entstehen Beschwerden schleichend – und werden deshalb leicht übersehen.
Dezente Warnsignale: Hinweise, dass das Herz überlastet sein könnte
Einige Symptome werden fälschlich nur dem Älterwerden zugeschrieben, können aber mit Medikamenten oder Wechselwirkungen zusammenhängen.
Achten Sie besonders auf:
- Schwellungen an Knöcheln oder Beinen
- neue oder zunehmende Atemnot
- schnellen oder unregelmäßigen Herzschlag
- plötzliche Gewichtszunahme (durch Flüssigkeitseinlagerungen)
- häufigen Schwindel
Wenn solche Veränderungen auftreten, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll.
Ein einfacher Schritt: Medikamenten-Check in der nächsten Sprechstunde
Schon eine kurze Überprüfung kann viel bewirken.
Nehmen Sie zum Termin mit:
- eine vollständige Liste aller Medikamente und Nahrungsergänzungen
- wie oft und in welcher Dosis Sie sie verwenden
- aktuelle Beschwerden – auch wenn sie „klein“ wirken
Fragen Sie gezielt, ob eines der Mittel den Blutdruck, den Herzrhythmus oder den Flüssigkeitshaushalt beeinflussen kann.
Gewohnheiten, die das Herz zusätzlich schützen
Medikamentensicherheit ist nur ein Teil der Herzvorsorge. Ebenso wichtig sind alltägliche Routinen:
- regelmäßige moderate Bewegung
- eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkorn
- weniger Salz/Natrium
- ausreichend Trinken
- Blutdruckkontrolle, wenn empfohlen
- guter Schlaf als Priorität
Diese Faktoren haben langfristig großen Einfluss auf die Herzgesundheit.
Der wichtigste Faktor, den viele übersehen
Es gibt etwas sehr Einfaches, das viele medikamentenbezogene Risiken deutlich reduzieren kann:
Kommunikation.
Offene, regelmäßige Gespräche mit Ärztinnen/Ärzten und Apothekerinnen/Apothekern helfen, Probleme zu verhindern, bevor sie entstehen.
Sagen Sie immer Bescheid, wenn Sie:
- ein neues Supplement beginnen,
- neue Beschwerden bemerken,
- oder zusätzlich einen anderen Facharzt aufsuchen.
Diese Gewohnheit kann viele Komplikationen verhindern.
Fazit
Ab 60 bedeutet Herzschutz nicht nur gesunde Gewohnheiten – sondern auch einen bewussten Umgang mit Medikamenten. Schmerzmittel (NSAR), Erkältungspräparate, Schlafmittel, Nahrungsergänzungen und sogar Antazida können das Herz-Kreislauf-System stärker beeinflussen, je älter wir werden.
Eine aktuelle Medikamentenliste, Aufmerksamkeit für subtile Körperzeichen und regelmäßige Gespräche mit medizinischem Fachpersonal sind zentrale Schritte, um das Herz zu entlasten.
Ihr Herz hat Sie ein Leben lang begleitet – ein wenig mehr Aufmerksamkeit heute kann die kommenden Jahre spürbar verbessern.
Häufige Fragen (FAQ)
-
Sollten Menschen über 60 rezeptfreie Schmerzmittel grundsätzlich meiden?
Nicht unbedingt. Viele nutzen sie sicher. Wichtig ist jedoch: Häufige oder langfristige Einnahme sollte medizinisch besprochen werden – besonders bei Bluthochdruck oder Herzerkrankungen. -
Sind natürliche Nahrungsergänzungsmittel automatisch herzfreundlicher?
Nein. Manche können Blutdruck und Puls beeinflussen oder mit verschriebenen Medikamenten (z. B. Blutverdünnern) wechselwirken. -
Wie oft sollten Medikamente ab 60 überprüft werden?
Idealerweise mindestens einmal pro Jahr – und zusätzlich immer dann, wenn neue Präparate dazukommen, sich Beschwerden verändern oder mehrere Ärztinnen/Ärzte beteiligt sind.


