Gesundheit

Als Neurologe war ich schockiert: Dieses Vitamin kann das Schlaganfallrisiko über Nacht drastisch erhöhen

Eine beliebte „Gehirn-Vitamin“-Kapsel kann bei Überdosierung das Schlaganfallrisiko erhöhen

Viele Menschen – besonders im höheren Alter – nehmen täglich Vitamine ein, um Gedächtnis, Energie und Gehirngesundheit zu unterstützen. Das wirkt auf den ersten Blick wie eine sinnvolle, gesundheitsbewusste Entscheidung. Doch was, wenn eine scheinbar harmlose Vitaminroutine bei zu hoher Dosierung das Risiko für ein schweres Ereignis wie einen Schlaganfall (AVC) erhöhen kann?

Als Arzt mit Fokus auf Gehirn- und Gefäßgesundheit habe ich wiederholt erlebt, dass selbst einfache Nahrungsergänzungen unbeabsichtigte Folgen haben können – vor allem, wenn über längere Zeit sehr hohe Mengen eingenommen werden. Schlaganfälle zählen weiterhin zu den häufigsten Ursachen für dauerhafte Einschränkungen bei Menschen über 65. Gleichzeitig greifen Millionen Seniorinnen und Senioren zu Vitaminen, um „vorsorglich“ etwas für Körper und Geist zu tun. Neuere Erkenntnisse zeigen jedoch: Zu viel von bestimmten Nährstoffen kann mehr schaden als nützen.

Im Mittelpunkt dieses Artikels steht Vitamin B6 (Pyridoxin). Sie erfahren, wie Sie die richtige Dosis wählen, typische Supplement-Fallen vermeiden und Ihr Gehirn möglichst sicher unterstützen.

Als Neurologe war ich schockiert: Dieses Vitamin kann das Schlaganfallrisiko über Nacht drastisch erhöhen

Schlaganfallrisiko im Alter verstehen

Ein Schlaganfall entsteht, wenn die Blutversorgung des Gehirns plötzlich gestört ist. Das passiert vor allem auf zwei Arten:

  • Ischämischer Schlaganfall: Ein Blutgerinnsel verstopft ein Gefäß und blockiert den Blutfluss.
  • Hämorrhagischer Schlaganfall: Ein Blutgefäß im Gehirn reißt, und es kommt zu einer Blutung.

Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko deutlich. Zusätzlich können folgende Faktoren die Gefahr weiter erhöhen:

  • Bluthochdruck
  • Diabetes
  • Rauchen
  • ungünstige Ernährung
  • Bewegungsmangel
  • bestimmte Medikamente oder auch Nahrungsergänzungsmittel

Vitamine gelten zwar oft als „grundsätzlich sicher“, doch sehr hohe Dosierungen können das natürliche Gleichgewicht des Körpers beeinflussen – insbesondere bei älteren Menschen, deren Gefäße oft empfindlicher und verletzlicher sind.

Das Vitamin im Fokus: Vitamin B6 (Pyridoxin)

Vitamin B6 ist für zahlreiche Prozesse im Körper unverzichtbar. Dazu gehören unter anderem:

  • Bildung von Neurotransmittern, die Stimmung, Konzentration und Gedächtnis beeinflussen
  • Unterstützung des Eiweiß- und Glukosestoffwechsels
  • Beitrag zur Bildung roter Blutkörperchen

Natürlich kommt Vitamin B6 in vielen Lebensmitteln vor, zum Beispiel in:

  • Bananen
  • Kichererbsen
  • Huhn und Fisch
  • (angereicherten) Vollkornprodukten

Problematisch wird es vor allem dann, wenn Vitamin B6 in hochkonzentrierten Supplementen aufgenommen wird. Während die empfohlene Tageszufuhr für Erwachsene über 50 häufig nur bei etwa 1,7 bis 2 mg pro Tag liegt, enthalten viele Präparate 50 mg, 100 mg oder sogar 200 mg pro Tagesdosis.

Was Studien und Beobachtungen nahelegen

Untersuchungen zu B-Vitaminen betrachten häufig deren Einfluss auf Gefäße, Blutwerte und Faktoren der Herz-Kreislauf-Gesundheit.

In normalen Mengen aus der Ernährung kann Vitamin B6 den Körper sinnvoll unterstützen. Bei sehr hohen Dosierungen aus Nahrungsergänzungsmitteln können sich jedoch Risiken zeigen – besonders bei Menschen mit Bluthochdruck oder bereits bestehender Gefäßfragilität.

Als mögliche Zusammenhänge und Effekte werden unter anderem diskutiert:

  • Veränderungen im Gleichgewicht der Blutgerinnung
  • erhöhte Empfindlichkeit der Gefäßwände
  • in bestimmten Situationen eine größere Wahrscheinlichkeit für Hirnblutungen

Wichtig ist außerdem: Sehr hohe B6-Spiegel wurden auch mit neurologischen Beschwerden in Verbindung gebracht, etwa mit einer Neuropathie. Betroffene berichten dann über Taubheitsgefühle oder Kribbeln in Händen und Füßen.

So vermeiden Sie eine Überdosierung von Vitamin B6

Die sicherste Strategie für eine langfristige Gehirn- und Gefäßgesundheit ist oft erstaunlich einfach: Nährstoffe vorrangig über eine ausgewogene Ernährung aufnehmen – und Supplements gezielt sowie verantwortungsvoll nutzen.

Hier die wichtigsten Schritte:

  1. Nährstoffreiche Lebensmittel bevorzugen
    Grünes Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Nüsse sowie fettreicher Fisch liefern Vitamine in Mengen, die der Körper üblicherweise gut regulieren kann.

  2. Megadosen bei Supplements vermeiden
    Multivitaminpräparate oder B-Komplexe mit deutlich überhöhten Tagesmengen sind oft nicht notwendig – und können bei langfristiger Einnahme eher Probleme verursachen.

  3. Etiketten konsequent prüfen
    Achten Sie auf den B6-Gehalt pro Tagesdosis. Wenn ein Präparat sehr hohe Werte enthält, ist es sinnvoll, die Einnahme vorher mit medizinischem Fachpersonal zu besprechen.

  4. Lebensstil als echte Gehirnprophylaxe nutzen
    Regelmäßige Bewegung, stabile Blutdruckwerte, Stressreduktion und eine herzgesunde Ernährung sind meist wirksamer für den Schutz vor Schlaganfall als hohe Vitaminmengen.

Fazit: Vitamin B6 ist wichtig – aber „mehr“ ist nicht automatisch besser

Vitamin B6 ist essenziell, doch eine Überversorgung – vor allem durch hochdosierte Nahrungsergänzungsmittel – kann unerwünschte Effekte auf Gefäße und Nervensystem begünstigen. Für die meisten Menschen liefert eine ausgewogene Ernährung bereits das, was der Körper benötigt.

Der Schlüssel zu einem gesunden Gehirn im Alter liegt in Balance: gute Ernährung, regelmäßige Bewegung und ein vorsichtiger, informierter Umgang mit Supplements.

Wenn Sie täglich Vitamine einnehmen, lohnt sich ein Blick auf die Dosierungen. Kleine Anpassungen heute können helfen, die Gehirngesundheit und das Schlaganfallrisiko langfristig positiv zu beeinflussen.