Portulak (Verdolaga): Vom lästigen Unkraut zum gefeierten Superfood
Portulak, im englischen Sprachraum auch als purslane, hogweed oder pigweed bekannt, hat sich vom vermeintlichen Störenfried im Beet zu einem echten Schatz für Küche und Gesundheit entwickelt. Was früher aus den Fugen von Gehwegen gezupft wurde, taucht heute wieder auf Wochenmärkten und in Spitzengastronomie auf – und bereichert Speisekarten wie Speiseplan gleichermaßen.

Ein Wildkraut mit großer Geschichte
Die robuste Pflanze drängt sich durch Asphalt-Ritzen, breitet sich in Beeten aus und wird von Fachleuten längst nicht mehr unterschätzt. Dr. Artemis Simopoulos, Präsidentin des „Centre for Genetics, Nutrition, and Health“, bezeichnet Portulak sogar als „Wunderpflanze“. Während ihrer Zeit am US-amerikanischen „National Institutes of Health“ entdeckte sie, dass Portulak unter allen grünen Pflanzen die höchste Konzentration an Omega-3-Fettsäuren besitzt.
Auch historisch hat das Wildkraut Spuren hinterlassen: Persönlichkeiten wie Mahatma Gandhi wussten Portulak zu schätzen, und in den frühen USA – unter anderem bei Martha Washington – wurde es frisch oder eingelegt gegessen. Erst im 20. Jahrhundert geriet Portulak zunehmend in Vergessenheit. Heute erlebt das pflegeleichte Kraut seine Renaissance, nicht zuletzt dank kreativer Köchinnen und Köche sowie moderner Wildkräuter-Fans.

Geschmack und Verwendung in der Küche
Die saftigen, tränenförmigen Blättchen des Portulaks stecken voller Antioxidantien, Vitamine und Mineralstoffe. Damit ist er ein echtes Nährstoffkraftpaket. Gleichzeitig überzeugt er geschmacklich: Der Geschmack wird häufig als frisch, leicht säuerlich mit einer zitrusartigen Note und einem Hauch Pfeffer beschrieben.
Sergio Vitale, Chef und Inhaber von „Aldo’s Ristorante Italiano“ in Chicago, der im Süden Italiens mit Portulak aufwuchs, charakterisiert das Kraut genau so: belebend, zitronig und dezent pikant. In Salaten, auf Brot, zu Gemüse oder in warmen Gerichten bringt Portulak eine spannende, aromatische Frische.

Wilden Portulak richtig vorbereiten
Wer wilden Portulak sammelt, sollte ihn vor dem Verzehr besonders gründlich waschen, um mögliche Pestizid- oder Straßenrückstände zu entfernen.
Durch sein säuerliches, leicht salziges Aroma eignet sich Portulak hervorragend:
- als knackige Zutat in gemischten Salaten
- als Topping auf Suppen und Bowls
- in Kräuteraufstrichen, Dips und Pestos
- in Pfannengerichten oder kurz gedünstet als Gemüsebeilage
Rezept: Portulak-Basilikum-Pesto
Dieses einfache Portulak-Pesto verbindet mediterrane Aromen mit der Nährstofffülle des Wildkrauts und ist im Handumdrehen zubereitet.

Zutaten
- 2 Tassen junge Portulakblätter und zarte Stängel, gewaschen und grob gehackt
- 45 g Basilikumblätter, gewaschen
- 1 Knoblauchzehe
- 45 g geröstete Mandeln
- Saft einer halben Zitrone
- 50 ml Olivenöl
- Salz und Pfeffer nach Geschmack
Zubereitung
- Portulak, Basilikum, Knoblauch, Mandeln und Zitronensaft in einen Mixer oder eine Küchenmaschine geben.
- Mehrmals pulsieren, bis eine grobe Paste entstanden ist.
- Bei laufendem Gerät das Olivenöl langsam einfließen lassen, bis eine cremige, emulgierte Konsistenz erreicht ist.
- Mit Salz und Pfeffer abschmecken.
- Das Pesto schmeckt köstlich auf geröstetem Brot, zu Ofengemüse, Fleisch, Fisch oder einfach mit frisch gekochter Pasta vermischt.
Nährstoffprofil: Warum Portulak ein echtes Superfood ist
Portulak überzeugt nicht nur durch seinen Geschmack, sondern vor allem durch seine beeindruckenden gesundheitlichen Vorteile.

Wichtige Inhaltsstoffe und Wirkungen
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Omega-3-Fettsäuren
Portulak gehört zu den besten pflanzlichen Quellen für Omega‑3-Fettsäuren. Diese sind wesentlich für die Gesundheit von Herz und Gehirn und damit besonders interessant für Menschen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren. -
Antioxidantien
Das Wildkraut enthält zahlreiche Antioxidantien, darunter Glutathion, die Zellen vor Schäden schützen, oxidativen Stress reduzieren und damit Alterungsprozesse verlangsamen können. -
Mineralstoffe
Portulak liefert beachtliche Mengen an Kalzium, Magnesium, Kalium, Eisen, Phosphor, Mangan, Kupfer, Folat und Selen. Diese Mineralstoffe helfen, typische Versorgungslücken der westlichen Standardernährung zu schließen und unterstützen Knochen, Muskeln, Nerven und Stoffwechsel. -
Vitamin C
Als gute Quelle von Vitamin C stärkt Portulak das Immunsystem, unterstützt die Kollagenbildung und trägt zu einer besseren Aufnahme von pflanzlichem Eisen bei. -
Beta-Carotin
Portulak ist reich an Beta-Carotin, der Vorstufe von Vitamin A, das für Sehkraft, Hautgesundheit und Immunsystem unverzichtbar ist. -
Melatonin
Anders als die meisten Pflanzen enthält Portulak Melatonin, ein Hormon, das eine zentrale Rolle bei der Regulation des Schlaf-Wach-Rhythmus spielt. Damit ist Portulak eine seltene, natürliche Melatoninquelle. -
Cholesterinsenkende Wirkung
Das im Portulak enthaltene Antioxidans Betalain hilft, Cholesterin-bedingte Gefäßschäden zu verhindern und kann sich positiv auf den LDL-Cholesterinspiegel auswirken. -
Tryptophan
Portulak liefert die Aminosäure Tryptophan, die für die Bildung des „Glückshormons“ Serotonin wichtig ist. Dadurch kann das Kraut zur Stimmungsregulation beitragen und depressive Verstimmungen abmildern.
Portulak vereint kulinarischen Genuss mit bemerkenswerten gesundheitlichen Vorzügen – von Omega‑3-Fettsäuren über Antioxidantien bis hin zu Melatonin und Tryptophan. Ob roh im Salat, als Pesto oder kurz gegart: Dieses vielseitige Wildkraut ist eine lohnende Bereicherung für jede Küche und jeden Speiseplan.


