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Über 10 erstaunliche Fakten über Linkshänder, die du noch nicht kanntest

Spannende Fakten über Linkshänder

Die große Mehrheit der Menschen ist rechtshändig – und vielen ist gar nicht bewusst, mit welchen Hürden Linkshänder in einer auf Rechtshänder ausgerichteten Welt täglich konfrontiert sind. Zahlreiche Studien haben sich mit den biologischen und psychologischen Besonderheiten des Linkshändigseins befasst, teilweise sogar mit dessen Bedeutung in der Evolution.

Manche Forschende gehen davon aus, dass linkshändige Menschen unabhängiger werden, weil sie sich von klein auf in einer Umgebung behaupten müssen, die vor allem für Rechtshänder entwickelt wurde. In früheren Zeiten waren die Ansichten darüber allerdings deutlich düsterer: In abergläubischen Kulturen galt der Teufel als linkshändig – und damit wurden Linkshänder teilweise mit Hexerei und Unglück in Verbindung gebracht.

Trotz aller Herausforderungen – etwa beim Umgang mit Scheren, Werkzeugen oder Geräten, die für Rechtshänder konzipiert sind – gibt es viele wenig bekannte, aber faszinierende Fakten über Linkshänder, die neugierig machen.

Über 10 erstaunliche Fakten über Linkshänder, die du noch nicht kanntest

Im Folgenden findest du eine Auswahl besonders interessanter Erkenntnisse über linkshändige Menschen.


1. Rund 12 % der Weltbevölkerung sind Linkshänder

Im globalen Durchschnitt gelten etwa:

  • ca. 12 % der Menschen als linkshändig
  • rund 87 % als rechtshändig
  • etwa 1 % als beidhändig (ambidexter)

Der Anteil der Linkshänder nimmt weltweit langsam zu, was unter anderem damit zusammenhängt, dass linkshändiges Schreiben und Arbeiten gesellschaftlich immer stärker akzeptiert wird.

Unglaublich, aber wahr: Noch heute gibt es Länder, in denen Kinder dazu gedrängt werden, mit der rechten Hand zu schreiben. Um 1860 wurden Linkshänder in vielen Regionen sogar als „verbündet mit dem Teufel“ betrachtet; Schätzungen zufolge waren damals nur etwa 2 % der Bevölkerung offiziell linkshändig – viele wurden einfach umerzogen.

Die heutigen 12 % unterscheiden sich zudem je nach Land, Kultur und Geschlecht.


2. Internationaler Tag der Linkshänder

Der 13. August ist als Internationaler Tag der Linkshänder bekannt. Er wurde 1992 vom „Left-Handers Club“ im Vereinigten Königreich ins Leben gerufen.

Ziele dieses Tages sind unter anderem:

  • auf die alltäglichen Schwierigkeiten von Linkshändern in einer rechtshändig geprägten Welt aufmerksam zu machen
  • Verständnis dafür zu fördern, dass Produkte, Arbeitsplätze und Lernumgebungen oft nicht für linkshändige Menschen optimiert sind

3. Mehrere linkshändige Präsidenten

Unter den jüngeren US-Präsidenten finden sich erstaunlich viele Linkshänder. Zu den bekannten linkshändigen Amtsinhabern zählen unter anderem:

  • Gerald Ford
  • Jimmy Carter
  • Ronald Reagan
  • George H. W. Bush
  • Bill Clinton
  • George W. Bush
  • Barack Obama
  • Donald Trump
  • Joe Biden

Damit ist das Präsidentenamt ein prominentes Beispiel dafür, dass Linkshändigkeit in Führungspositionen durchaus verbreitet ist.


4. Linkshänder und Intelligenz

Linkshänder weisen häufig eine andere Gehirnorganisation auf als Rechtshänder. Bei vielen von ihnen wird sprachliche Information nicht nur in einer, sondern in beiden Gehirnhälften verarbeitet.

Bei Rechtshändern ist die Aufgabenteilung meist klarer:

  • die linke Hemisphäre ist überwiegend für Sprache zuständig
  • die rechte Hemisphäre übernimmt vor allem räumlich-visuelle Aufgaben

Bei Linkshändern kann verbale Information in größerem Umfang in beiden Hemisphären verarbeitet werden. Dadurch sind sie in bestimmten Situationen in der Lage, mehr Daten parallel aufzunehmen und zu verarbeiten. Einige Studien bringen diese besondere Vernetzung mit leicht erhöhten Werten in bestimmten Intelligenz- oder Kreativitätstests in Verbindung – wobei dies natürlich nicht bedeutet, dass alle Linkshänder „intelligenter“ sind als Rechtshänder.


5. Schnellere Sprach-Erholung nach einem Schlaganfall

Sprache wird im Gehirn überwiegend in der linken Hemisphäre verarbeitet. Kommt es dort zu einem Schlaganfall, leidet häufig die Sprachfähigkeit.

  • Bei etwa 95 % der Rechtshänder sitzt das Sprachzentrum hauptsächlich in der linken Gehirnhälfte.
  • Bei Linkshändern trifft dies nur auf rund 70 % zu; bei vielen ist Sprache stärker auf beide Hemisphären verteilt.

Dadurch haben linkshändige Menschen statistisch etwas bessere Chancen, ihre Sprachfähigkeit nach einem Schlaganfall zumindest teilweise wiederzuerlangen, weil andere Hirnareale Funktionen kompensieren können.


6. Höheres Risiko für Allergien und Autoimmunerkrankungen

In dem Forschungsband „Cerebral Dominance: The Biological Foundations“ wurde berichtet, dass linkshändige Menschen etwa:

  • 11-mal häufiger von Allergien betroffen sind als Rechtshänder
  • rund 2,5-mal häufiger an Autoimmunerkrankungen leiden, etwa Colitis ulcerosa oder rheumatoider Arthritis

Die genauen Ursachen sind nicht abschließend geklärt, könnten aber mit der Entwicklung des Nervensystems und der Gehirnasymmetrie zusammenhängen.


7. Vorteil im Sport

In vielen Sportarten haben Linkshänder einen überraschenden Wettbewerbsvorteil, insbesondere dort, wo es auf direkte Zweikämpfe oder Duelle ankommt, zum Beispiel:

  • Fechten
  • Boxen
  • Tennis
  • Baseball
  • teilweise auch im Schwimmen und anderen Wettkampfsportarten

Der Grund: Die meisten Sportler trainieren überwiegend gegen Rechtshänder und sind daher auf deren Bewegungen eingestellt. Treffen sie plötzlich auf einen Linkshänder, verändert sich die Perspektive, der Winkel oder die Schlaghand – und das kann sie aus dem Konzept bringen.

Im Tennis etwa wird geschätzt, dass etwa 40 % der Topspieler linkshändig sind – deutlich mehr als im Durchschnitt der Bevölkerung.


8. Erhöhte Neigung zu Migräne

Die in Punkt 6 erwähnte Studie stellte außerdem fest, dass Linkshänder etwa doppelt so häufig unter Migräne leiden wie Rechtshänder.

Auch hier sind die Mechanismen noch nicht vollständig verstanden, doch es wird vermutet, dass die besondere Struktur und Vernetzung des linkshändigen Gehirns eine Rolle bei der Empfindlichkeit gegenüber bestimmten Reizen spielt.


9. Besser im Multitasking

Daten des Illinois Research Consortium aus dem Jahr 2008 zeigen, dass Linkshänder und Rechtshänder Aufgaben und Gedächtnisleistungen unterschiedlich organisieren.

In Experimenten, bei denen die Teilnehmenden zwei Aufgaben gleichzeitig erledigen mussten, schnitten die linkshändigen Probanden im Durchschnitt besser ab.

Der Hintergrund:

  • Rechtshänder neigen dazu, Probleme in einzelne Schritte zu zerlegen und diese nacheinander zu analysieren.
  • Linkshänder betrachten Aufgaben häufiger als Ganzes und nutzen Mustererkennung, um Lösungen zu finden.

Diese andere Herangehensweise kann beim Multitasking von Vorteil sein – vor allem in komplexen Situationen, in denen viele Informationen parallel verarbeitet werden müssen.


10. Hohe künstlerische und kreative Begabung

Linkshänder werden häufig als besonders kreativ beschrieben – und das hat eine neurologische Basis. Die bei ihnen dominante Hemisphäre wird mit:

  • künstlerischem Empfinden
  • bildhaftem Denken
  • Fantasie und Vorstellungskraft

in Verbindung gebracht. Viele Linkshänder bevorzugen visuelle Informationen gegenüber rein sprachlich-textlichen Inhalten und fühlen sich in Bereichen wie Kunst, Design, Musik oder innovativem Problemlösen zu Hause.


11. Häufigere Schlafstörungen durch unruhige Gliedmaßen

Linkshändigkeit kann sich auch auf die Schlafqualität auswirken. Eine Studie aus dem Jahr 2011 mit dem Titel „Assessment of Periodic Limb Movements in Right-handed Versus Left-handed Patients“ untersuchte das sogenannte Periodic Limb Movement Disorder (PLMD) – eine Störung, bei der sich Arme oder Beine im Schlaf unwillkürlich bewegen.

Die Ergebnisse:

  • 69 % der rechtshändigen Teilnehmenden zeigten beidseitige Gliedmaßenbewegungen
  • bei den linkshändigen Patienten waren es ganze 94 %

Wer also im Schlaf häufig „strampelt“ oder seinen Bettpartner aus Versehen tritt, könnte als Linkshänder eher von solchen unruhigen Bewegungen betroffen sein.


12. Linkshänder nutzen häufiger die rechte Gehirnhälfte

Das Gehirn ist kreuzverdrahtet: Die rechte Hemisphäre steuert überwiegend die linke Körperseite und umgekehrt. Daraus stammt auch der Spruch: „Nur Linkshänder sind in ihrem rechten Verstand“ – weil sie ihre dominante Hand mit der rechten Gehirnhälfte bewegen.

Die rechte Hemisphäre wird klassisch mit Fähigkeiten wie:

  • Kreativität
  • räumliches Vorstellungsvermögen
  • musikalische und künstlerische Begabung

in Verbindung gebracht.

Eine Studie der Washington University aus dem Jahr 2018 („Unilateral, 3D Arm Movement Kinematics Are Encoded in Ipsilateral Human Cortex“) deutet allerdings darauf hin, dass die Aufgabenverteilung zwischen den Hemisphären komplexer und ausgewogener ist, als man früher annahm. Da diese Untersuchung nur vier Probanden umfasste, ist jedoch noch viel Forschung nötig, um das Zusammenspiel von Gehirn und Körper vollständig zu verstehen.


13. Angst vor Linkshändigkeit: Sinistrophobie

Es gibt tatsächlich Menschen, die alles „Linksseitige“ fürchten – einschließlich linkshändiger Personen. Diese spezifische Phobie trägt den Namen Sinistrophobie (abgeleitet vom lateinischen „sinister“ für „links“).

Die Betroffenen empfinden linke Hände, linke Richtungen oder linke Körperseite als unangenehm oder bedrohlich – ein extremes Beispiel dafür, wie kulturelle Vorurteile sich in echte Ängste verwandeln können.


14. Zungenrollen fällt Linkshändern häufiger schwer

Auch eher skurrile Unterschiede wurden untersucht. In einer Studie zur Fähigkeit, die Zunge zu rollen, zeigte sich:

  • Nur etwa 62,8 % der Linkshänder konnten ihre Zunge rollen.
  • Bei den Rechtshändern waren es dagegen 74,8 %.

Zungenrollen ist zwar kein Maß für Intelligenz oder Talent, aber ein interessanter Hinweis darauf, dass sich manche körperliche Eigenschaften statistisch mit der Händigkeit überschneiden.


15. Eine „verhängnisvolle“ Vergangenheit

In vielen Kulturen hatten Linkshänder historisch einen schlechten Ruf. Sie galten als:

  • schwach
  • unglücklich oder vom Pech verfolgt
  • moralisch fragwürdig
  • mit dem Bösen oder „dämonischen Kräften“ verbunden

Das englische Wort „sinister“ für „unheilvoll“ oder „bedrohlich“ stammt vom lateinischen „sinister“, das schlicht „links“ bedeutet. Ähnliche negativen Konnotationen finden sich in zahlreichen Sprachen – ein deutliches Zeichen dafür, wie tief Vorurteile gegen Linkshänder in der Geschichte verwurzelt sind.


16. Späterer Eintritt in die Pubertät?

Oft wird behauptet, Linkshänder würden im Durchschnitt 4–5 Monate später in die Pubertät kommen als Rechtshänder. Diese Aussage kursiert zwar weit verbreitet im Internet, jedoch gibt es bislang keine solide wissenschaftliche Studie, die diesen Unterschied eindeutig belegt.

Bis zuverlässige Daten vorliegen, sollte dieser Punkt daher eher als interessante Behauptung denn als gesicherter Fakt betrachtet werden.


17. Leben Linkshänder wirklich kürzer?

Lange Zeit war die Behauptung populär, Linkshänder würden im Schnitt etwa neun Jahre früher sterben als Rechtshänder. Diese Vorstellung geht auf eine fehlerhafte Studie aus den 1980er-Jahren zurück, in der rund 1.000 verstorbene Personen aus Kalifornien untersucht wurden. Aus diesen Daten wurde abgeleitet, dass Rechtshänder im Durchschnitt deutlich älter geworden seien als Linkshänder.

Spätere Analysen zeigten jedoch gravierende methodische Mängel:

  • Verzerrte Stichprobe
  • fehlende Berücksichtigung historischer Umerziehung von Linkshändern
  • statistische Fehlinterpretationen

Heute gilt: Es gibt keinen belastbaren Beleg dafür, dass Linkshänder grundsätzlich eine deutlich geringere Lebenserwartung haben als Rechtshänder. Die berühmten „9 Jahre weniger“ sind ein hartnäckiger Mythos – nicht mehr.


Linkshänder sind also weit mehr als „Menschen, die die andere Hand benutzen“. Ihre besondere Gehirnorganisation, ihre kreativen Stärken und ihre ungewöhnlichen statistischen Merkmale machen sie zu einer spannenden Minderheit in einer überwiegend rechtshändigen Welt.